Wie ich zum nähen gekommen bin

 

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: 2001 kam der Herr der Ringe im Kino und ich war restlos begeistert. So auch eine gute Freundin von mir und wir konnten nicht mehr aufhören, davon zu sprechen. Ausserdem hab ich begeistert danach gegoogelt und viele tolle Fanseiten gefunden, vor allem herr-der-ringe-film.de. Dort war ich damals auch sehr aktiv im Forum, das wir “Die grüne Hölle” genannt haben und immer noch so nennen.

 

Ich wollte mehr davon

 

Galadriel CosplayDurch das viele googeln entdeckte ich auch, dass es tolle Veranstaltungen für Herr der Ringe Fans gab: Das Tolkienfest, das Mittelerdefest und die erste Ringcon im Jahr 2002.

Begeistert habe ich meiner Freundin davon erzählt und wir haben kurzerhand beschlossen, zur Ringcon zu gehen. Und wenn wir da hingehen, dann würden wir natürlich auch gleich am Kostümwettbewerb teilnehmen. (Kleiner Funfact vorne weg: Wir haben tatsächlich den Preis für den “Best Elven Kiss” gewonnen, da wir die Abschiedsszene von Galadriel und Frodo nachgestellt haben).

Nun hatten wir aber keine Gewandung, während meine Freundin sich eine schneidern ließ, beschloss ich, selbst die Nadel zu schwingen. Ich hatte in der Schule mehr schlecht als recht das Nähen gelernt und es hatte mir damals auch keinen Spaß gemacht, aber ich wollte nun unbedingt das Galadrielkleid haben.

 

Dann begann es also

 

Das erste, mit dem ich mich beschäftigt habe, war der Stoff, der wunderschön bestickt ist. Genau so etwas habe ich aber damals nicht gefunden und hätte ich mir vor allem auch im Traum nicht leisten können.

So bin ich auf die Idee gekommen, einen schlichten Chiffon zu kaufen und diesen mit weisser Stofffarbe zu bemalen. Das habe ich noch vor dem Zuschnitt gemacht. Ich habe mir also eine Schablone gemacht und 10 Meter Stoff mit der Farbe bemalt.

Nach ungezählten Stunden hatte ich nun den fertigen Stoff in der Hand, der plötzlich unfassbar wertvoll war. Und diesen wollte ich nun als blutige Anfängerin zuschneiden. Rückblickend total irre!

 

Der Sprung ins eiskalte Wasser

 

Vielleicht war es aber genau dieser Umstand, dermaßen ins kalte Wasser zu springen, dass das dann tatsächlich geklappt hat. Ich bin zum nähen zu meiner Mutter gefahren, um mit ihrer Nähmaschine und ihrer Hilfe das Kleid zu nähen.

Und es ist mir so leicht gefallen, als hätte ich noch nie was anderes getan. Es hat sich alles so richtig angefühlt. Zum Glück hatte ich mir aber auch ein gutes Projekt für Anfänger ausgesucht. Natürlich ohne, dass ich mir darüber bewusst war.

Kurz vor der Ringcon – tatsächlich eine Woche davor – nicht wie bei Cosplayern üblich, in der Nacht davor – habe ich dem Kleid dann den letzten Schliff verpasst und noch die Perlen an den Ausschnitt genäht. Ich war unfassbar stolz und glücklich und von diesem Moment an nähsüchtig.

 

Nähen wurde zu meinem liebsten Hobby

 

Faramir KostümDirekt nach der Ringcon habe ich angefangen Eowynkleider für mich zu nähen. Daraufhin habe ich auch meinen heutigen Ehemann infiziert und mit ihm gemeinsam eine Faramir Gewandung für ihn genäht.

 

Nach etlichen weiteren Projekten habe ich 2005 kurzerhand beschlossen, mich als Schneiderin selbstständig zu machen und habe meinen ersten Auftrag tatsächlich von der Verkäuferin einer Buchhandlung bekommen, die ich nach einem Buch zum Thema Selbstständigkeit gefragt habe.

 

 

 

 

 

 

Berufung? Gefunden!

 

Irgendwie war das alles doch ziemlich schicksalshaft und ich bin Tolkien und Peter Jackson unendlich dankbar, dass sie mit dem Herr der Ringe meinem Leben eine derartige Wendung gegeben haben und ich dadurch meine Berufung gefunden habe. 🙂

 

Wenn du wissen möchtest, wie es dann weiterging, schau dir hier die Bilder von meinen Arbeiten an.